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Workshop: Live-Mixing für Musiker
W
as wäre eine rockband ohne schie-
bende Gitarren und donnernde bäs-
se? in vielen Gruppen leisten die
Gitarristen allein die komplette harmoniearbeit
und sorgen mit ihren riffs und hooklines für den
Wiedererkennungswert eurer Songs. Die Aufga-
be des bassisten ist nicht weniger maßgeblich
für euren band-Sound. Schließlich stellt er mit
seinem Frequenz-Fundament das bindeglied
zwischen rhythmus und harmonie dar. Grund
genug, sich gründlich zu überlegen, wie ihr die
Saiteninstrumente bei euren selbsgemischten
Gigs überzeugend in Szene setzen könnt. Dabei
gehen wir auf die besonderheiten verschieden
großer Locations wie gewohnt explizit ein.
Noch bevor ihr euch aber über die Mikrofo-
nierung oder EQ-Einstellung am Mischpult
Gedanken macht, sei euch ans Herz gelegt,
noch einmal in Ruhe mit eurem Equipment in
Klausur zu gehen.
um einen zufriedenstellenden
Live-Sound zu erreichen, ist es oberstes Gebot,
das eigene instrument, den Verstärker und alle
eingesetzten effektgeräte genau zu kennen. Ge-
rade wenn man sich noch keinen professionellen
tontechniker leisten kann, solltet ihr in der Lage
sein, selbst euren Sound zu beurteilen, gegebe-
nenfalls Schwächen zu erkennen und diese mit-
tels Dreh am richtigen regler beseitigen zu kön-
nen. Das betrifft zunächst die technische Aus-
stattung eurer (bass)-Gitarre. Schaltet noch
einmal die verschiedenen tonabnehmer-kombi-
nationen durch und verinnerlicht, dass ein Pickup
nahe dem Steg immer etwas mittiger und schlan-
ker klingt, als eine Position näher am hals. Sollte
es euch beim Gig also untenrum an Druck fehlen,
kann die Wahl eines anderen tonabnehmers
schon die einfachste Lösung sein. Macht euch
weiterhin bewusst, das Single-coils, also einspu-
lige Pickups, empfindlich für elektromagnetische
einstreuungen sind, die sich meist als nerviges
Live-Mixing für Musiker – Teil 7
Druck von allen Saiten
Im siebten Teil unseres Live-Mixing Workshops für Musiker
beschäftigen wir uns mit der Abnahme der hart besaiteten
Fraktion eurer Band. Wir zeigen euch, wie ihr Gitarre und
Bass in euren selbstgemixten Live-Sound integrieren könnt.
brummen zu erkennen geben. Für den Fall, dass
es beim Gig, zum beispiel durch die Lichtanlage
oder eine quer über die open-Air-bühne verlau-
fende hochspannungsleitung zu solchen ein-
streuungen kommt, könnt ihr zielsicher die Gitar-
re oder Pickup-kombination benutzen, die erfah-
rungsgemäß am wenigsten brummt.
Gerade Bassisten müssen die Klangregelung
ihres Instrumentes im Schlaf bedienen kön-
nen.
Denn diese ist in Live-Situationen oft das
einzige Werkzeug um den eigenen Sound zu be-
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Wenn der Sweet Spot eures Gitarrenspeakers gefunden wurde, könnt ihr den einfach mit klebeband markieren.
einflussen; zum beispiel wenn der bass direkt
über eine D.i.-box mit der PA verbunden wird
und der eigene Amp nur als bühnenmonitor
dient. besonders die equalizer in aktiven bässen
sind sehr effektiv und vielseitig, jedoch in den
seltensten Fällen ordentlich beschriftet oder do-
kumentiert. beschäftigt euch in Vorbereitung
eures nächsten Gigs ausgiebig mit der elektro-
nik, sodass ihr wenn es beim Soundcheck dröhnt
oder scheppert gezielt eingreifen könnt.
Zwei Garanten für einen schlechten Live-Sound
sind übrigens alte Saiten und ausgelutschte
Batterien.
Vor einem Gig sollte man der Gitarre
schonmal einen frischen Satz Saiten gönnen. Alte,
korrodierte Strings klingen nicht nur muffig und
tot – viel schlimmer ist, dass Dreck und Ablage-
rungen das Metall nicht mehr gleichmäßig schwin-
gen lassen, was eine saubere intonation praktisch
unmöglich macht. Aber wechselt die Saiten nicht
unmittelbar vor dem Auftritt sondern lieber am
tag davor und vergesst nicht, diese danach or-
dentlich einzudehnen damit die Gitarre sich nicht
gleich beim ersten Song wieder verstimmt. bei ak-
tiven instrumenten (aber auch in Sendeanlagen
und effektgeräten) solltet ihr zusätzlich vor jedem
konzert die batterie checken und falls nötig erset-
zen. So spart ihr euch nicht nur die nervige Fehler-
suche beim Soundcheck, sondern auch die 8 euro
für einen 9-Volt-block aus der tankstelle.
Euren Verstärker solltet ihr natürlich mindes-
tens genauso sicher bedienen können wie euer
Instrument.
Mit den wichtigsten elementen wie
der klang- und Lautstärkeregelung habt ihr euch
sicher schon befasst um euren Sound im Probe-
raum einzustellen. Dennoch ist es von Vorteil, sich
»
noch mal die bedienungsanleitung zu hand zu
nehmen und auch die Funktionen der anderen
regler und Anschlüsse kennenzulernen. Viele An-
schlüsse wie beispielsweise D.i.-, Line- oder recor-
ding-Ausgänge, die man im Proberaum sonst nie
verwendet, können im Live-Setup nützliche helfer
sein, die man richtig einzusetzen wissen sollte.
zu finden, bei dem die Gitarre sowohl auf der
bühne als auch im Publikum gut zu hören ist. Als
gute Ausgangsposition hierfür eignet sich die
hintere bühnenecke. Wenn ihr in eurer band
zwei Gitarristen seid, bekommt ein Amp die lin-
ke, der andere die rechte äußere ecke. Als erstes
besorgt ihr nun für jeden Amp einen stabilen
unterbau, zum beispiel einen tisch oder ein
Flightcase. Die Amps sollten damit zumindest so
hoch geliftet werden können, dass nicht nur eu-
re Waden und vielleicht die Fans in der erstes
reihe des Publikums etwas davon zu hören be-
kommen, sondern der ganze club. Nun könnt ihr
die Verstärker entweder nach innen drehen um
auf der bühne besser hörbar zu sein, oder nach
außen, womit der größere Schallanteil zur Audi-
enz gerichtet wird. Wie schon mehrfach er-
wähnt, hat es oberste Priorität, dass ihr euch auf
der bühne gut hört und sicher fühlt. Wenn ihr
sauber zusammenspielt und die band so richtig
groovt, wird es das Publikum sicher verzeihen,
wenn mal ein Gitarrensolo nicht laut genug war.
Also spielt beim Soundcheck ein paar Songs an
und schaut ob ihr euch gut hört. Wenn ihr über
entsprechend lange kabel oder sogar Sendean-
lagen verfügt, dann geht auch mal im club her-
um und hört euch den Gitarrensound an ver-
schiednen Stellen der Location an. unter um-
Zwei Garanten für einen schlechten Sound sind
alte Saiten und ausgelutschte Batterien.«
ständen kann es nötig sein, auf der bühne
vielleicht etwas höhen rauszudrehen und Mitten
anzuheben, um auch weiter hinten noch druck-
voll rüberzukommen. Mit zwei Gitarristen in der
band kommt jetzt noch die balance der beiden
Verstärker ins Spiel. bittet dazu eine neutrale
Person oder einen eurer Mitmusiker, im Zu-
schauerraum das Lautstärkeverhältnis zu beur-
teilen. und denkt daran dass man den Volume-
regler auch mal nach links drehen kann.
Club Gig
Wie in den vergangenen Folgen gehen wir
beim Club-Gig davon aus, dass die PA so
weit wie möglich für den Gesang reserviert
bleibt.
Daher ist hier die Aufgabenstellung, die
Amps auf der bühne so geschickt wie möglich
auf- und einzustellen, um das Publikum und
euch selbst mit einem ausgewogenen Sound zu
versorgen. Dabei hat es der bassist am ein-
fachsten, denn naturgemäß verteilen sich tiefe
Frequenzen kugelförmig im raum. Das bedeu-
tet, dass es nicht unbedingt darauf ankommt,
dass die Lautsprecher der bassbox direkt auf
das Publikum gerichtet sind. Vielmehr sollte der
bassverstärker so aufgestellt werden, dass ihr
ihn auf der bühne gut hören könnt. eine Positi-
on direkt neben dem Schlagzeuger ist für das
tighte Zusammenspiel von Drummer und bas-
sist sicher am besten geeignet.
Beim Gitarren-Amp ist es etwas kompli-
zierter. Die Speaker eines E-Gitarren-Combos
oder einer 4-x-12er-Box haben ein relativ
schmales, gradliniges Abstrahlverhalten.
Da-
her gilt es, bei der Aufstellung einen kompromiss
„balanced out“ bietet die Funktion einer Di-box.
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Workshop: Live-Mixing für Musiker
Zewckentfremdet:
Das für radio-
sprecher entwickelte re20 von eV
Microphones lässt sich auch zur
bassamp-Abnahme einsetzen.
Wenn ihr in der Band eine
Akustikgitarre
einsetzt,
dann werdet ihr nicht um-
hin kommen, diese zu ver-
stärken.
besonders praktisch
ist es natürlich, wenn das ins-
trument über einen einge-
bauten tonabnehmer samt eQ
verfügt, und nur per klinken-
kabel mit dem Mixer verbun-
den werden muss. idealerwei-
se solltet ihr noch eine Di-box
zwischenschalten und diese
mit einem Mikrofoneingang
am Pult verbinden. um rück-
kopplungen zu vermeiden
könnt ihr einen so genannten
Feedback-buster einsetzen.
Das ist eine Gummischeibe, die in das Schallloch
eingesetzt wird und verhindert, dass der umge-
bungsschall den Gitarrenkorpus zum schwingen
bringt. Die Abnahme der A-Gitarre mit einem Mi-
krofon ist da schon anspruchsvoller. Wenn mög-
lich sollte dafür ein kleinmembran kondensator-
Mikro (zum beispiel das Sennheiser e 614) einge-
setzt werden, da einfache dynamische Mikrofone
mit dem Lautstärke- und Frequenzspektrum einer
A-Gitarre meist überfordert sind. Als Ausgangs-
position sollte das Mikro etwa in höhe des Über-
gangs von hals und korpus im 45°-Winkel in
richtung Schallloch zeigen. Von hier aus könnt ihr
verschiedene Positionen ausprobieren, wobei ein
verschieben richtung body die tiefen Frequenzen
verstärkt, eine Position näher am Griffbrett be-
tont die höhen und die Greifgeräusche. Aber Vor-
sicht: Mit einem kondensatormikrofon handelt
ihr euch sehr schnell Feedbacks ein – besonders
bei leisen instrumenten wie der Akustikgitarre.
Deshalb: Wenn ihr euch Ärger ersparen wollt,
solltet ihr nur tonabnehmer verwenden.
»
die Möglichkeit, einfach Platz sparend über die
box gehängt zu werden. Als basis für die ermitt-
lung der optimalen Mikrofonposition eignet sich
folgende einstellung: Das Mikro zeigt mit der
kapsel etwa 5–10 cm vom rand entfernt auf den
Lautsprecher. Dabei wird das Mikro nicht senk-
recht zum Gehäuse aufgestellt, sondern so ange-
winkelt, das die kapsel parallel zur Membran aus-
gerichtet ist. ist der Sound über die PA nun zu
basslastig, verschiebt man das Mikro etwas mehr
zur Lautsprechermitte. umgekehrt kann ein zu
scharfer und höhenbetonter klang verbessert
werden, indem das Mikrofon eher auf den rand
der Membran gerichtet wird. habt ihr die optima-
le Position gefunden, ist es ratsam, diese mit et-
was klebeband zu markieren.
Zuschauerraum dringt. Nur so könnt ihr den
Sound kontrollierbar und sauber halten. Stellt
die Amps also nicht an die rückwand der büh-
ne, wo sie der ersten Zuschauerreihe direkt in
die Gesichter pusten, sondern an die bühnen-
seiten wo sie parallel zur vorderen bühnen-
kante abstrahlen und hauptsächlich euch
selbst beschallen.
Großer Saal und Open Air
In einem größeren Rahmen braucht dann auch
das Basssignal einen Leistungsschub über die
PA.
Ähnlich wie die Gitarrenverstärker könnt ihr
auch den bass-Amp entweder mit einem Mikro
oder direkt über einen Di-Ausgang abnehmen. Da-
bei ist der einsatz eines Mikrofons aufgrund der
Um Rückkopplungen zu vermeiden könnt ihr einen
so genannten Feedback-Buster einsetzen.«
ernormen Luft, die direkt vor einer bassbox be-
wegt wird nicht ohne fundierte erfahrung zu be-
wältigen. Meist wird ein Mikrofon auch zusätzlich
zu einem Di-Signal eingesetzt um dem cleanen
klang wieder etwas Schmutz zu verleihen. hierfür
kommen zum beispiel bassdrum-Mikros wie das
AkG D112 in Frage oder besonders impulstreue
Allrounder wie das Sennheiser MD 421. ein tipp ist
auch das re20 von electro-Voice Microphones.
Kleiner Saal
In einer mittelgroßen Location sollten zumin-
dest die E-Gitarren-Amps abgenommen und
über die PA verstärkt werden.
hier wird norma-
lerweise nur einer der Speaker des Verstärkers von
vorne mit einem dynamischen Mikrofon abge-
nommen. Gängige Modelle sind das Shure SM57,
das Sennheiser e 906 oder dessen preiswerter
bruder, das e 606. Während das Shure wie ge-
wohnt mit einem Mikroständer vor dem Lautspre-
cher platziert wird, bieten die Sennheiser-Modelle
aufgrund ihrer ungewöhnlichen flachen bauform
Als Alternative zur Mikrofonierung bieten
viele moderne Amps, besonders die Model-
ling-Verstärker von Line6 und Co. spezielle
Ausgänge, die ein mit einer Speaker-Simu-
lation versehenes Gitarrensignal liefern.
Dieses kann direkt zum Mischpult geführt wer-
den, womit sich Zeitaufwand und die Fehler-
quellen bei der Amp-Abnahme drastisch redu-
zieren. ein weiterer Vorteil der Direktverbin-
dung ist, dass auf dem Gitarrenkanal wirklich
nur diese eine Gitarre zu hören ist und nicht,
wie beim einsatz eines Mikrofons bühnenge-
räusche und trittschall den Mix erschweren.
hat euer Amp keinen speziell modellierten
Ausgang aber ihr möchtet trotzdem nicht auf
die Vorteile der Direktabnahme verzichten?
Speaker-Simulatoren gibt es auch einzeln zu
kaufen, zum beispiel von Palmer (PDi-09) oder
hughes & kettner
(redbox). Diese wer-
den einfach zwischen
Verstärker und box
geschaltet, oder mit
dem Line-out eures
Amps
verbunden.
egal wie ihr euren Gi-
tarrensound nun über
die PA schickt, im Ge-
gensatz zum club
Gig, ist es nun wich-
tig, dass möglichst
wenig Direktschall
eures Amps in den
Einfach mal (am Gitarren-
speaker) hängen lassen:
Sennheiser e 906
Legendäres Gitarrenamp-
Abnahmemikrofon:
Shure SM57
Die gängigste und einfachste Art einen E-
Bass abzunehmen ist eine DI-Box.
Sie greift
das Signal zwischen instrument und Amp ab
und schickt es symmetriert und brummfrei
zum Mischpult, wo es sich ganz nach den An-
forderungen des Gesamt-Sounds formen lässt.
Die einstellungen am bassverstärker wirken
sich dann nicht auf den Foh-klang aus. Die
meisten heutigen bass-Amps haben eine sol-
che Di-box bereits eingebaut. Gegenüber der
externen Variante bieten diese den Vorteil,
dass sich der Di-Sound vom bassverstärker
vorformen lässt, was sich besonders beim ein-
satz eines Mischpultes mit nur einer einfachen
klangregelung auszahlt.
Sebi Friebe
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