PRAXIS
© PPVMEDIEN 2009
PRO TOOLS ZONE
Pro
Tools
Zone
>
REX-files in
Pro Tools nutzen
>
Drumloops splitten
1
S
eitdem mit der Version 7
in Pro Tools die Region
Groups und die vereinfachte
Loop-Funktion eingeführt
wurden, steht dem kreativen Experi-
mentieren mit Loops verschiedener
Herkunft nichts mehr im Wege. Für
die detaillierte Bearbeitung ist es
wichtig, dass der Loop in Slices,
also in viele Einzelteile zerschnitten,
vorliegt. Dass Slicing bietet dabei
zwei wesentliche Vorteile: Erstens
bleiben sliced Loops auch bei
größeren
Tempoveränderungen
synchron zum Playback. Zweitens
kann man die Schnipsel einzeln
klanglich bearbeiten. Dabei ist es
egal, ob Sie vorkonfektionierte
REX-Files verwenden, die mit Re-
cycle von Propellerhead erzeugt
wurden oder die Loops selbst
mithilfe des Beat Detectives zer-
schneiden. Beide Wege führen zu
mehr oder weniger identischen
Ergebnissen.
REX-Files verwenden
Um ein REX-File in Pro Tools zu
verwenden, öffnen Sie am besten
zunächst das Fenster Workspace
und lokalisieren Sie die entspre-
chende Audiodatei. Dank der Vor-
hörfunktion im Workspace können
Sie auch gleich überprüfen, ob
Sie wirklich die richtige Datei aus-
gewählt haben. Bewegen Sie die
Datei anschließend direkt in das
Tracks-Fenster, das sich links oben
neben dem Edit-Fenster befindet.
Pro Tools erzeugt nun automatisch
einen neuen Track, der den Namen
des REX-Files trägt, die Audio-Re-
gion startet am Session-Anfang.
Wenn man sich die Region genau
ansieht, erkennt man links unten
das Region-Group-Symbol. Da
Rex-Files aus vielen Schnipseln
bestehen, werden sie in Pro Tools
direkt als Region Group verkapselt.
So kann man den Loop einfacher
verschieben und kopieren. Verwen-
det man den Befehl „Ungroup“ aus
dem Region-Menü, werden die un-
ter der Group liegenden einzelnen
Slices sichtbar. Alle im folgenden
vorgestellten Bearbeitungsfunkti-
onen stehen – auch wenn wir sie
am Beispiel von Loops erläutern,
die mit Beat Detective hergestellt
wurden – für REX-Files zur Verfü-
gung.
Drumloops splitten
Falls der von Ihnen bevorzugte
Drumloop nicht als REX-File vor-
liegt, können Sie ganz ähnliche
Slices mit dem Beat Detective
herstellen. Markieren Sie dazu
die Region, wählen Sie den Beat
Detective aus dem Event-Menü
aus und wählen Sie die Option
„Region Separation“ als Methode.
Die Selection sollte am besten in
1/16-Noten aufgeteilt werden, kli-
cken Sie anschließend auf „Cap-
ture Selection“. Bewegen Sie nun
den Sensitivity-Regler so weit nach
rechts, bis alle Schläge des Drum-
loops mit einem Marker versehen
sind. Klicken Sie anschließend auf
„Separate“, die Region wird nun in
die einzelnen Schnipsel zerlegt.
Um die einzelnen Drum-Kompo-
nenten auf verschiedene Spuren
zu verteilen, duplizieren Sie die
Spur am besten mehrfach. Für
eine Unterteilung in Kick, Snare,
HiHat reichen zwei Duplikate. Die
Duplicate-Optionen sollten so ein-
gestellt werden, dass die Playlists
nicht mitkopiert werden. Anschlie-
ßend verschieben Sie die einzelnen
Kick-Schläge auf die Kick-Spur.
Damit die Positionen der Regions
nicht durch das manuelle Verschie-
ben verändert werden, empfiehlt es
sich, die Kommandos „Move Edit
Selection Up/Down“ zu verwen-
den. Im einzelnen: Verwenden Sie
dazu den Commands-Keyboard-
Focus-Mode (a-z-Zeichen oben
im Edit-Fenster). Markieren Sie die
erste Kick-Region per Klick, drü-
cken Sie „C“, um die Region in den
Zwischenspeicher zu kopieren und
anschließend „P“ um die Selektion
auf den Track davor zu übertra-
gen oder „;“ (Semikolon), um die
Auswahl auf den unteren Track zu
setzen. Mit „V“ wird die Region
auf dem anderen Track eingesetzt.
Auf dem Original-Track muten Sie
die Region mit „Command-M“.
Übertragen Sie anschließend alle
übrigen Drum-Komponenten nach
dem gleichen Muster auf verschie-
dene Spuren.
Jetzt können Sie die Lautstärken
der Komponenten einzeln mit dem
jeweiligen Track-Fader einstellen.
Es bleibt lediglich ein Problem:
Einige HiHat-Schläge liegen bei
vielen Drumloops auf den gleichen
Zählzeiten wie Kick- oder Snare-
Schläge. Für maximale Separation
verwenden Sie einen EQ auf der
Kick- und der Snare-Spur, um die
HiHat so weit es geht zu eliminie-
ren und füllen Sie die HiHat-Spur
mit separat liegenden HiHat-Schlä-
gen auf.
Durch die Möglichkeit, die Spuren
einzeln mit EQs, Kompressoren
oder anderen Effekten zu verse-
hen, können Sie den Klang des
Drumloops drastisch verändern,
ohne den Groove zu verändern.
Sounds in Drumloops
austauschen
Statt nur den Klang der Drumloop-
Komponenten zu verändern, kön-
nen Sie auch andere Sounds für
Kick, Snare und HiHat verwenden.
So bleibt lediglich der Groove erhal-
ten. Wählen Sie über das Pro-Tools-
Fenster Workspace neue Klänge
für Kick, Snare und HiHat aus und
platzieren Sie sie auf neuen Audi-
otracks. Am einfachsten geht das,
indem Sie das betreffende Audi-
ofile auf das Tracks-Fenster links
oben im Edit-Fenster ziehen. Pro
Tools erzeugt automatisch einen
neuen Audiotrack und postiert die
Region am Session-Anfang (siehe
oben). Setzen Sie den Audiotrack
direkt über oder unter die Drum-
Komponenten-Spur, deren Sound
ausgetauscht werden soll. Mar-
kieren Sie die Region und drücken
Sie bei aktiviertem Commands-
Keyboard-Focus-Mode die Taste
„X“ (Ausschneiden). Anschließend
markieren Sie die Region mit dem
ersten Schlag der Drum-Kompo-
nente, die ausgetauscht werden
soll. Drücken Sie anschließend
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KEYS 05/2008
Fotos: Hersteller/Vertrieb
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PRAXIS
VON MARK ZIEBARTH | FM
Abbildungen:
1
Verteilt man die
Drum-Komponenten
auf verschiedene
Spuren, ergeben sich
viele Möglichkeiten,
einen Drumloop zu
verfremden
2
REX-Files werden
als Region Groups in
Pro Tools importiert,
zu erkennen am
kleinen umrandeten
Wellenform-Symbol
unten links und dem
Region-Namen mit
der Endung „.grp“
2
„P“ oder „;“ (Semikolon), je nachdem ob die
Spur mit dem neuen Sound ober- oder unter-
halb der aktuellen sitzt (siehe oben). Drücken
Sie anschließend „V“, um den neuen Sound
an der richtigen Stelle zu platzieren. Wie-
derholen Sie diesen Schritt für alle weiteren
Schläge und weitere Spuren, deren Sounds
ausgetauscht werden sollen. So bleibt der
Groove erhalten, aber der Drumloop klingt
komplett anders. Sofern man die Sounds
für Kick und Snare austauscht, gehen in den
meisten Fällen HiHat-Schläge verloren. Man
sollte also die HiHat-Spur mit anderen Schlä-
gen auffüllen.Statt nur die neuen Sounds zu
verwenden, kann es häufig sinnvoll sein, den
ursprünglichen Loop leise und/oder gefiltert
mitlaufen zu lassen, um ein dichtes Drum-
K
Arrangement zu erzielen.
Extra-Tipp
So funktioniert D-Verb
D-Verb gehört zur Grundausstattung jedes Pro-Tools-Systems und
ist ein häufig unterschätzter und Ressourcen-schonender Allround-
Hall. Auch wenn die Oberfläche selbsterklärend aussieht, ist die
Interaktion mancher Parameter etwas verwirrend.
Die Algorithmen (Hall, Church, Plate, Room 1 und 2, Ambient und
NonLin) klingen verschieden, selbst wenn alle anderen Parame-
Das mit jedem Pro-Tools-
ter gleich eingestellt sind. Die Auswahl des Algorithmus ist der
System mitgelieferte Hall-PlugIn
Startpunkt zur Simulation einer Umgebung oder eines typischen
D-Verb wird häufig unterschätzt
Reverb-Effekts. Darunter findet man den Parameter „Size“ (Raum-
größenvorwahl), der zwei verschiedene Effekte hat: Erstens verändert sich je nach Einstellung die Cha-
rakteristik des Reverbs und zweitens interagiert „Size“ mit dem Parameter „Decay“, dessen Range
durch die Größenvorwahl verändert wird.
Über „Diffusion“ legt man fest, wie schnell sich der Sound vom ersten kleinen Echo zur großen Hall-
Wolke entwickelt. Wie bei vielen anderen PlugIns auch, erzielt man mit hohen Diffusion-Werten meist
bessere Ergebnisse, es sei denn, man möchte einen Spezialeffekt erzeugen, der von der Grobkörnigkeit
geringer Diffusion-Werte profitiert. Auch für kleine Räume ist es häufig besser, hohe Diffusion-Werte mit
kurzen Decay-Zeiten zu kombinieren.Über den Pre-Delay-Regler wird eingestellt, wie lange es dauert,
bis der Reverb-Effekt sich entwickelt. Vor allen Dingen zur realistischen Simulation großer Räume wird
dieser Parameter benötigt.
Die Parameter „HF Cut“ und „LP Filter“, bedämpfen zwar beide den Höhenanteil, haben aber trotzdem
leicht unterschiedliche Funktionen. „LP Filter“ ist ein einfaches Tiefpassfilter, das den Wet-Anteil am
PlugIn-Ausgang in den Höhen bedämpft. „HP Cut“ hingegen kontrolliert den Höhenanteil im Hallsignal
über die Zeit. Frequenzen oberhalb des eingestellten Werts verklingen schneller als die darunter liegen-
den. Damit wird die Absorption hoher Frequenzen durch die Luft imitiert.
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