Special Mobiles Recording Die 11Gebote des mobilen Recor
© PPVMEDIEN 2007
DAS FACHBLATT FÜR MUSIKER
Special:
Mobiles Recording
DAS FACHBLATT FÜR MUSIKER
Recording für Rastlose
Perfekt mobil aufnehmen
SPECIAL
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Die 11 Gebote
des mobilen Recordings
1-2-3 … dabei!
Mobiles Equipment für
jede Anwendung
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Die
11
Gebote
des mobilen Recordings
So werden mobile Aufnahmen zum Volltreffer
11 mal Grundsätzliches für alle, die auch beim Aufnehmen mobil
bleiben wollen. Ob im Proberaum, Tourbus oder live auf der Bühne:
Mit unseren 11 Geboten des mobilen Recordings liegt ihr richtig.
m perfekt mobil aufzunehmen, bedarf es
nicht allein passenden Equipments. Je
nach Anwendung gilt es, ganz bestimm-
te Faktoren in den Mittelpunkt zu rücken – und
eben auch: gewisse Regeln zu befolgen. Mit der
Zeit wird jeder für sich selbst herausfinden, wel-
che Arbeits weise zur eigenen Person am besten
passt. Solange darüber allerdings keine Klarheit
besteht, hilft es, einige Grundsätze stets im Hinter-
kopf zu behalten. Auch weil man in ungewohnter
Umgebung eher dazu neigt, Aufnahmen ein we-
nig salopper anzugehen. Was sich mitunter als
fatal herausstellen kann. Schließlich lauern gerade
im unbekannten Terrain oft unerwartete Überra-
schungen. Insofern: Damit auch beim mobilen
Kontrollfreak:
Pegel-
LEDs müssen immer
unter Beobachtung
bleiben, damit Clipping
erst gar nicht entsteht.
U
Recording am Ende des Tages alle Spuren perfekt
klingen – unsere 11 Gebote:
1. Gebot
Du sollst das Recording-
1-x-1 nicht vergessen
Die Grundsätze herkömmlicher Aufnahme-
Sessions gelten auch unterwegs:
Nur weil man
mobiles Recording betreibt, heißt das keinesfalls,
dass zum Beispiel das Gain plötzlich nicht mehr
korrekt ausgesteuert werden müsste. Wer dennoch
so vorgeht, handelt sich unter anderem leicht
Rauschen ein. Gleiches gilt natürlich für Über-
steuerungen: Auch On The Road sollte man im
Headroom bleiben, um nicht später
während des Mischens mit irrepa-
rablen Verzerrungen im Audio-
material dazusitzen – so schwer ei-
nem sorgfältiges Arbeiten im Tour-
bus oder andernorts auch fallen
1
mag. Ist man mit seinem Equipment unterwegs,
ist selbstredend auch die Abhörsituation nicht im-
mer ideal. Daher gilt es hier, bereits während des
Aufnahmeprozesses noch ein Stück genauer hin-
zuhören als im heimischen Studio. Nutzt man
Kopfhörer, sollte man außerdem die Nachteile die-
ser Abhörmöglichkeit nicht außer Acht lassen. So
fehlt etwa der Nachhall des Abhörraums, der bei
der Wiedergabe über Speaker immer gegeben ist.
2. Gebot
Du sollst nicht mit
Speicher geizen
Lästig ist es, wenn das Betriebssystem einmal
mehr meldet, auf der Festplatte sei zu wenig
Speicherplatz vorhanden.
Leidig auch, sollte sich
die erstandene Speicherkarte als zu klein gewählt
erweisen. Wirklich ärgerlich wird es aber, wenn aus
einem dieser Gründe eine komplette Aufnahme in
die Binsen geht. Speicher ist heute billiger denn je.
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Soundcheck 10 07
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Steinberg WaveLab 6
Mit WaveLab 6 könnt ihr eure Soundskizzen,
Demos und sonstige Recordingsessions ideal
editieren und mastern. Viele nützliche Plugins
und Kontrollanzeigen lassen das vorhandene
Audiomaterial äußerst präzise beurteilen und
in Form bringen. Flexibel ist auch die Möglich-
keit, eure Soundfiles in verschiedenen Audio-
formaten abzuspeichern. Neben herkömm-
lichen Audio-CDs im Red-Book-Format könnt
ihr auch Audio-DVDs mit Surroundmixes er-
stellen. Für die kreativen Soundtüftler unter
euch gibt es sogar die Möglichkeit, individu-
elle Samples und Loops zu erstellen.
Es lohnt also, sich entsprechend einzudecken –
und dann die fragliche Hardware auch mit zum
Ort des Geschehens zu tragen. Doch es muss gar
nicht immer der Gang zum Elektronik-Kaufhaus
sein. Eine sorgfältige Pflege der Laptop-Festplatte
reicht manchmal schon aus. Man wundert sich wie
viele Minuten Recording-Zeit alleine das Löschen
längst gebrannter Fotos und ähnlich großer Daten
freigibt. Also: Wer früher ausmistet, nimmt länger
auf. Abgeschlossene Musikprojekte solltet ihr
auch auf DVD-Rom speichern, somit lassen sich
unter Umständen mehrere Gigabytes an
Speicherkapazität zur Verfügung stellen. Zudem
solltet ihr eure Audio-Festplatte durch regelmä-
ßiges Defragmentieren fithalten.
Du sollst deine
Software-DAW testen
3. Gebot
Tipp: Recorder im Insert-Weg
Im Normalfall werden die Insert-Punkte
eines Mischpults genutzt, um Dynamik-
prozessoren wie beispielsweise Kompres-
soren oder Noise Gates in den Signalweg
einzuschleifen. Sie bieten sich aber auch an,
um während eines Gigs ein Aufnahmegerät
für Live-Mitschnitte einzubinden. So umgeht
man die Post-Fader-ausgelegten Direct Outs
des FOH-Pults. Auf diese Weise vermeidet
man also, dass sämtliche EQ- und Fader-
Bewegungen des FOH-Engineers sich im
Live-Mitschnitt wiederfinden. Die Insert-
Effekte lassen sich in diesem Fall übrigens
weiter verwenden. Hierfür schleift man ein-
fach die betreffenden Geräte zwischen
Recorder und Pult. Recorder im Insert-Weg
sind bei Live-Mitschnitten allerdings nicht
ganz ungefährlich: Die Tracks des Recorders
müssen während des Gigs stets aufnahme-
bereit geschaltet sein; sonst hört das
Publikum unter Umständen die leicht verzö-
gerte Aufzeichnung anstelle der Darbietung
von der Bühne.
In vielen Fällen wird man mobiles Recording
mithilfe eines Laptops durchführen.
Das mag
in den allermeisten Situationen auch problemlos
ablaufen, im Proberaum etwa. Dennoch: Gerade
wer Live-Mitschnitte erstellen will, der sollte nur
mit ausreichend getesteten Systemen arbeiten.
Noch mal eben eine neue Sequenzer-Software
aufspielen und dann direkt zum Gig der be-
freundeten Band fahren, um diesen mitzu-
schneiden – das kann böse in die Hose gehen
und äußersten Unmut bei den Kumpels hervor-
rufen. Beim Live-Mitschnitt ist Praxis gefragt.
Ergo: Nur Ausprobieren kann die Devise sein!
An der Praxis kommt übrigens auch der nicht
vorbei, der sich in wissenschaftlicher Manier vor
dem Gig noch einmal hinsetzt, um anhand der
gewünschten Auflösung und Spurenzahl fleißig
loszurechnen. Zu viele Faktoren können die
Leistung der Software-DAW beeinflussen, als
dass theoretische Vorarbeit hier helfen könnte.
Ob und wie lange ein System stabil läuft, zeigt
nur die Probe. Gründlich getestete DAWs sind
übrigens auch Pflicht, sollte man mit einem mo-
bilen Recording-System professionell unterwegs
sein. Auftraggeber können schließlich schnell
ungehalten werden, wenn Rechnerabstürze
Aufnahmen verzögern.
4. Gebot
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(044) 200 12 12
Du sollst einen hochwerti-
gen Kanalzug nutzen
Klar, wer mobil aufnehmen will, sollte nur
mitnehmen, was zwingend benötigt wird.
Hat
man also lediglich vor, im Proberaum Songideen
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Hochwertiger Channelstrip:
Der Mindprint EnVoive Mk II bietet einen EQ und einen Röhrenkompressor.
WWW.Soundcheck.de
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Special:
Mobiles Recording
für daheim zu konservieren, muss sicher nichts
weiter mitgeführt werden als ein Pocket-
Recorder. Will man allerdings ernsthaftes
Recording betreiben, sollte man auf einen
hochwertigen Channel Strip nicht verzichten.
Besonders kritisches Material wie etwa Vocals
profitieren enorm von den Highend-Bauteilen
eines solchen Kanalzugs, also zum Beispiel von
edlen Röhrenbauteilen. Wie gewinnbringend
dieses Gear unterwegs sein kann, zeigt schon
der Umstand, dass derartige Tools heute in fast
jedem Live-Rack zu finden sind.
5. Gebot
Du sollst erstklassige
Wandler verwenden
Jeder noch so exquisite Kanalzug hilft selbst-
verständlich kaum, wenn kurz nach diesem
Gerät ein minderwertiger A/D-Wandler im
Signalfluss folgt.
Nimmt man mobil auf, kann
so manches Stück Equipment getrost im Studio
bleiben: Wer Stimmen-Overdubs aufzeichnen
möchte, braucht kein analoges Mischpult im
Gepäck. Wer vorhat E-Bässe aufzunehmen, be-
nötigt häufig nicht einmal ein Mikro. Immerhin
wird hier oft via Direct-In gearbeitet. Ein erst-
klassiges Audio-Interface empfiehlt sich jedoch
in jedem Fall. Seitdem ein Großteil der
Audiobearbeitung im Computer erfolgt, ist die
Schnittstelle zwischen Rechner und analoger
Welt unstreitig eine der wichtigsten Stufen im
Signalfluss. Sprich: Nur Deppen ziehen mit
Instrumenten im Wert eines Kleinwagens los und
nehmen diese dann über das Standard-Interface
ihres Kaufhaus-Laptops auf.
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mit unterschiedlichsten Räumen zu tun. Diese ein-
fach hinzunehmen, ist ein Fehler, der leider nur zu
oft begangen wird. Zuerst sollte bei schlecht klin-
gender Location daher zunächst abgeklärt wer-
den, ob eine Ausweichmöglichkeit besteht. Ist
dies nicht machbar, gilt es, Flatterechos, stehende
Wellen und Verwandte zu neutralisieren oder we-
nigstens zu entschärfen (siehe Kasten S. 36). Oft
kann es auch schlicht angebracht sein, bei der
Instrumenten- oder Gesangsabnahme die Klang-
quelle mit Akustikstellwänden vom übrigen Raum
zu isolieren. Seit kurzer Zeit gibt es auch diverse
Reflexionsfilter, die ungünstige Raumeigen-
schaften einfach unterdrücken. Die Handhabung
solcher Tools ist denkbar einfach: Das Tool wird
nämlich einfach am Gesangsstativ befestigt. Die
trockene Aufnahme kann dann später im Mix mit
künstlichem Nachhall versehen werden. Eine si-
cher nicht ideale aber aus pragmatischen Gründen
oft richtige und überwiegend gangbare Lösung.
wichtig, sich bereits im Vorfeld eingehend klar zu
machen, welche Art von Aufnahme man denn nun
tatsächlich durchzuführen gedenkt. So es denn
wirklich nur ein E-Gitarren-Overdub sein soll, tut
es selbstverständlich auch ein einzelnes dynami-
sches Mic. Für viele andere Anwendungen werden
sich hingegen Kondensator-Mikrofone anbieten.
Hier gilt es unter anderem zu bedenken, dass die-
ser Mikrofontyp Phantomspeisung seitens des
Pults benötigt – soweit es sich nicht um Elektret-
Condenser handelt. Einige Mikros bringen ihre
Stromversorgung auch in Form einer Batterie
oder einer zusätzlichen Spannungsversorgungs-
box mit. Entscheidet man sich für Stereoauf-
nahmen, müssen weitere Faktoren berücksichtigt
werden: Für MS-Stereofonie bedarf es zum Bei-
spiel zweierleier Mics mit unterschiedlichen Richt-
charakteristiken (Achtercharakteristik ist zwingend
erforderlich). Außerdem muss bei diesem Verfahren
ein Mischpult mit Phasenschalter in mindestens
einem Kanalzug vorhanden sein. Wesentlich un-
komplizierter gestaltet sich die XY-Stereofonie:
Hier bedarf es lediglich eines Mic-Paares, dessen
Kapseln übereinander angeordnet werden, meist
in einem Winkel von ca. 45° bis 90°. XY-Mikrofonie
ist obendrein monokompatibel. Im Gegensatz et-
wa zur AB-Laufzeitstereofonie. Diese liefert da-
für aber eine bessere Tiefenstaffelung.
8. Gebot
Du sollst anständig
verkabeln
Kabel die ordentlich behandelt werden, können mit Sicher-
heit auch länger verwendet werden.
7. Gebot
Du sollst die richtige
Mikrofonierung wählen
Wer mobil aufnimmt, wird meist mit einer
kleineren Anzahl von Mikrofonen arbeiten müs-
sen als im heimischen Studio.
Insofern ist es
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Die Verkabelung von Audio-Equipment ge-
hört sicher zu den am wenigsten geschätzten
Tätigkeiten eines Tontechnikers.
Trotzdem sollte
man sich hierbei Mühe geben. Dies macht die
Arbeit nicht nur einfacher und die Produktion we-
niger störanfällig, sondern kann außerdem direk-
ten Einfluss auf die Klangqualität einer Aufnahme
haben. Das fängt schon bei der Auswahl der rich-
tigen Audioleitungen an. Lasst nicht aus Faulheit
8
Tipp: Frequenzverteilung
Ungünstige Raumreflexionen
werden mit so einem Filter
wirksam unterdrückt.
6. Gebot
Du sollst den Raum
optimieren
Ganz unabhängig von der Equipment-Wahl:
die Raumfrage.
Nicht wundern über fiesen Sound,
darf sich, wer in schlechten beziehungsweise nicht
akustisch optimierten Räumen aufnimmt. Glatte
und große Wände, die noch dazu parallel verlau-
fen – das kann fast nur zu schlechtem Klang füh-
ren. Wer mobil aufnimmt, hat es immer wieder
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Auch beim mobilen Recording liegt der
Volksmund richtig, wenn er sagt: „Aus Sch …
kann man kein Gold machen.“ Mixing-Engineers
wird viel zugetraut – und leider auch zugemu-
tet. Wer als Tontechniker grottenschlechten
Sound geliefert bekommt, wird diesen auch bei
aller Mühe nicht grammyverdächtig schrauben
können. Guter Klang beginnt also bereits frü-
her. Viel früher. Nämlich bevor überhaupt ein
Stück Equipment ausgewählt, geschweige denn
verkabelt wird. Spitzensound fängt mit dem
Arrangement an.
Spielt jedes Instrument zur selben Zeit im sel-
ben Frequenzbereich, dann tönt vor allem eines
aus den Speakern: Matsch. Wer auf Songs mit
durchsichtigem Klang steht, muss also auf eine
ausgewogene Frequenzverteilung achten. Und
das, wie gesagt, bereits beim Arrangieren.
Bevor mit der Aufnahme begonnen wird, sollte
ein Song also bereits im Proberaum einigerma-
ßen wohlklingend daherkommen.
Gerade wenn man allein mit seinem Instru-
ment übt, glaubt man oft den ultimativen
Sound aus seinem Instrument zu locken. Im
Zusammenspiel mit dem Rest der Band folgt
dann aber häufig Ernüchterung. Sicher – ein
Synthesizer beeindruckt, wenn er bei vollem
Frequenzspektrum Flächeninfernos auf eine
Spur zaubert. Sobald allerdings die Instru-
mente der restlichen Bandmitglieder dazu sto-
ßen, wird man einen solchen Sound aber spä-
testens ausdünnen müssen.
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Soundcheck 10 07
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alle tauglichen Kabel im hei-
man sich. Und so schreibt sich eine Spur
mischen System stecken und
nach der anderen auf die mitgebrachte
zieht bloß mit der Telefon-
Festplatte. Am Ende einer ausgedehnten
strippe los! Gerade beim mo-
Session steht man dann vielleicht mit
bilen Recording sollte man
Hunderten von Audiofiles da. Und diese
sich die grundlegenden Ver-
liegen dann meist auch noch – wenn über-
kabelungsregeln immer wieder
haupt – vergleichbar unsortiert vor. Ganz
vor Augen halten. Die da zum
deutlich: Das ist kontraproduktiv! Sicher, es
Beispiel wären: Audiokabel
ist immer angebracht ausreichend Speicher
dürfen keinesfalls am Ellen-
zur Verfügung zu haben. Was aber nicht
bogen aufgewickelt werden.
bedeuten muss, dass dieser auch bis zum
Die Lassotechnik ist hier das
Rand mit Daten gefüllt werden muss. Das
geeignete Mittel der Wahl. In
Zoom H4:
Mit so einem Pocket-
böse Erwachen folgt meist, geht es an die
SOUNDCHECK 05/2007 ha-
Recorder gehen unterwegs
Mischung. Wer kann sich nach dreißig ab-
keine Ideen mehr verloren.
ben wir euch diese Technik in
gehörten Schlagzeugspuren schon erin-
einem Mini-Workshop schon
nern, ob Take Nummer zwei im ersten
einmal vorgestellt. Außerdem sind klangführen- Refrain nun tatsächlich noch ein Quäntchen
de Kabel nicht mit Stromkabeln zu kreuzen. Ist mehr Swing hatte als Nummer zwölf im dritten
Letzteres nicht vermeidbar, sollte der Ton zumin- Refrain? Und vor allem: Wer will das? Da ist man
dest stets senkrecht zum Strom verlaufen. So wird doch besser beraten, wenn man schon während
die Anzahl der Berührungspunkte auf ein Mini- der Aufnahmesession das Material ausmistet.
mum reduziert. Außerdem: Immer erst verkabeln
und dann die Geräte einschalten. Sonst kann es
11. Gebot
einem mir nichts dir nichts die Abhöre entzwei
Du sollst nicht
knallen. Zu lange Kabel sollte man überdies im-
auf den Mix hoffen
mer aufwickeln. Das vermeidet Kabelsalat, Stolper-
fallen und oft auch zerquetschte Leitungen.
Es macht zwar Sinn, sich bei der Anzahl der
Takes zurückzuhalten.
Keinesfalls sollte man
9. Gebot
aber mit der Zeit geizen, in der man sich der
Du sollst Song-Ideen sofort
Mikrofonierung sowie der Raumoptimierung
aufnehmen
und Ähnlichem widmet. Die bekannte und be-
sonders in den USA verbreitete Devise „We Fix It
Warum führen die allermeisten Schriftsteller
In The Mix!“ darf nur für Notfälle gelten. Also
stets ein Notizbuch mit sich?
Weil diese Leute etwa bei enormem Zeitdruck. Denn: Was im
wissen, dass der Mensch sich nur einen Bruchteil Originalsignal an Klangqualität fehlt, wird sich im
von dem merkt, was ihm täglich so durch den Mix nur in den seltensten Fällen reproduzieren
Kopf rauscht. Jede Idee muss sofort notiert lassen. Fehlt der Kickdrum etwa das Fundament
werden, soll sie nicht verlustig gehen. Dass wird man mit entsprechenden EQ-Orgien die
wirklich wichtige Einfälle immer im Gedächtnis Spur im Normalfall lediglich verschlimmbessern.
hängen bleiben, ist leider ein Mythos. Auch für Frequenzen, die nicht vorhanden sind, kann
den Musiker ist es deshalb ratsam, seine kreati- auch ein Equalizer nicht herzaubern. Gesangs-
ven Eingebungen sofort aufzuzeichnen. Oder spuren mag man zwar via Autotune im Mix ge-
aber das treibendste Riff aller Zeiten sickert rade ziehen können. Stand der Sänger oder die
schneller, als einem lieb ist, aus dem eigenen Sängerin aber in einem scheppernden Raum,
Gedächtnis. Warum sich also nicht an den wird jeder Plugin-Einsatz während des Mischens
Kollegen von der schreibenden Zunft ein Vorbild im Studio die Aufnahme nicht retten können.
nehmen? Pocket-Recorder sind, wie ihr Name Und selbst wenn dies in anderen Fällen möglich
schon preisgibt, für die Tasche gemacht. Was sein sollte: Es kostet Zeit, während einer Mixing-
hindert euch also daran, sie auch zur Probe Session schlechte Aufnahmen zu restaurieren.
mitzunehmen?
Ein solcher Aufwand steht in keinem Verhältnis
zu dem, der eigentlich beim Recording hätte be-
10. Gebot
trieben werden müssen. Soll heißen: Noch ein-
Du sollst mit Takes geizen
mal zum Mikrofon zu traben und es vielleicht
nur einen Zentimeter zu verschieben, nimmt
Nimmt man mobil auf, glaubt man sich schnell
ungleich weniger Zeit in Anspruch als wilde
in einer wahnsinnig prekären Ausnahmesituation.
Effekt-Hexerei im Studio. Also bleibt als letzter
In Folge dessen versucht man so viele Takes wie Ratschlag nur noch zu sagen: Geht mit Sorgfalt
eben möglich aufzunehmen. Der Mix ist ja noch ans Werk und überlegt euch, bevor ihr über-
so weit entfernt, jetzt muss erst mal furchtbar haupt aufnehmt, was ihr mit welchen Mitteln
fleißig Rohmaterial gesammelt werden, denkt recorden wollt.
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